Buchbesprechung

Heiliger Raum

Sakrale Architektur und die Schaffung »Heiliger Räume« heute

von

Buchbesprechung von Lara Mallien

Das neue Buch „Heiliger Raum“ von Stefan Brönnle sei jedem, der sich die Grundlagen der Geomantie erschließen oder auch geomantisches Wissen vertiefen möchte, wärmstens empfohlen. „Mensch und Tier haben stets das Bedürfnis, Räume zu erschaffen, die ihrem innersten Wesen entsprechen,“ schreibt der Autor einleitend. Da das innerste Wesen immer die Resonanz mit dem „Größeren“ sucht, sind Sakralbauten Ausdruck des Eingebundenseins des Menschen in die Rhythmen der Welt. Das verdeutlicht der Autor, indem er den Ursprung sakraler Räume in Natur-Metaphern sieht: Im Weltenbaum, der eine Achse zwischen Himmel und Erde schafft und sich noch in den gotischen Domen spiegelt, im Stein, der die Ewigkeit verkörpert, ebenso wie im Weltenberg als Idealbild der Schöpfung. Selbst zu Zeiten, in denen der Mensch an heiligen Bäumen, Steinen, Quellen und Bergen noch keine Bauwerke errichtete, orientierte er sich dort an den Himmelsrichtungen, verankerte seinen heiligen Raum im kosmischen Rhythmus. Den Richtungsqualitäten und den Rhythmen der Natur ist deshalb ein eigenes Kapitel gewidmet, und der Autor gibt viele Beispiele für sakral-astrale Orientierungen megalitischer und antiker Bauwerke. Dass sich vieles davon in Kirchen wiederfinden lässt, zeigt ein ausführliches Kapitel über geomantische Phänomene in christlichen Sakralbauten. Hier spielen auch geomantische Ortsphänomene wie Wasseradern, geologische Verwerfungen, Drachenlinien oder „Einstrahlpunkte“ – all dies wird vom Autor anschaulich erläutert – eine Rolle. Doch mit dem Buch lässt sich weit mehr anfangen als mit einem Führer in die Welt der Sakralbauten der Vergangenheit. Das letze, umfangreiche Kapitel beschreibt, wie jede und jeder heute ganz einfach heilige Räume schaffen kann: am richtigen Ort mit den richtigen Proportionen, Materialien, Farben, Klängen … Aber dabei gibt es kein Patentrezept, denn zunächst gilt es, den innersten Raum des Selbsts zu finden.

Stefan Brönnle, Neue Erde, Saarbrücken 2010, 201 Seiten,
16,80 Euro

ISBN: ISBN 978-3890605449

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